Pfarrkirche St. Johannes Koblenz-Metternich

Die Konzertkirche in Koblenz

Orgelvesper 28. Oktober 2021, 19.30 Uhr

Orgel 4-händig

Dagmar Eiser und Jürgen Böhme spielen seltene Orgelwerke zu 4 Händen und 4 Füssen von Giovanni Bernardo Lucchinetti, Josef Blanco und Josef Labor

Schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts kann in Österreich eine starke Tradition des vierhändigen Orgelspiels nachgewiesen werden. Maßgebliche Gründe dafür waren der gleichzeitige Aufschwung des vierhändigen Klavierspiels, der Wunsch nach größtmöglicher dynamischer und koloristischer Ausdrucksmöglichkeit auf der Orgel und die Tatsache, dass die österreichisch-süddeutsche Barockorgel mit ihrem nur zwölftönigen Pedal für die Darstellung der polyphonen Musik ziemlich ungeeignet war. So verdanken wir diesem Umstand nicht nur Originalkompositionen für Orgel zu vier Händen von Albrechtsberger, Schubert, Lachner, Hesse u.a., es gibt auch Belege dafür, dass Fugenkompositionen von Bach und Mozart von Wiener Organisten in vierhändigen Fassungen dargeboten wurden. Einer der interessantesten Komponistenpersönlichkeiten dieser Zeit war Josef Labor.

Er wurde 1842 im böhmischen Horowitz geboren. Durch die Blattern im dritten Lebensjahr erblindet, erhielt er seine musikalische Erziehung im Wiener Blindeninstitut, am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde durch Simon Sechter und durch den Pianisten Eduard Pirkhert. Zeit seines Lebens konzertierte er als Klavierspieler und Organist. Tourneen führten ihn nach Frankreich, England, Skandinavien und Rußland. Sein Spiel begeisterte den ebenfalls blinden König Georg V. so sehr, dass er 1865 zum königlichen Kammerpianisten des hannoveranischen Hofes ernannt wurde. Ab 1866 wirkte Labor in Wien als Komponist, Lehrer und Virtuose: 1904 wurde ihm der Titel „k.u.k.Hoforganist“ verliehen, zu seinem 70. Geburtstag veranlasste die Familie Wittgenstein die Drucklegung seiner Werke und die Übernahme schon verlegter Kompositionen durch den Wiener Verlag Universal Edition. Aus der großen Zahl seiner Schüler ist u.a. Arnold Schönberg hervorgegangen. An Kompositionen hinterließ Labor ein Violinkonzert, Orchestervariationen, Werke für Klavier und Orchester, Klaviermusik, darunter einige Werke für den einarmigen Pianisten und Schüler Labors, Paul Wittgenstein, sowie Kammermusik, Messen und Orgelwerke. Die hier vorgestellte Orgelphantasie für zwei Spieler op. 12 ist eines der bedeutendsten Werke für diese seltene Besetzung. In ihrer farbigen Übereinanderschichtung mehrerer Klangebenen und im obligaten Gebrauch des ebenfalls doppelt gespielten Pedals ist sie richtungsweisend für zahlreiche seither geschaffene Orgelduette.

Die beiden vorher zu hörenden Werke sind eigentlich für zwei Orgeln geschrieben, sind also mit einigem Geschick auf den zwei Manualen der Gerhardt-Orgel zu realisieren. Es handelt sich um italienische bzw. spanische Barockmusik mit großem Klangerlebnis, die die Orgel der Johanneskirche in besonderer Weise darstellen kann.

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