Pfarrkirche St. Johannes Koblenz-Metternich

Die Konzertkirche in Koblenz

Kirchenchor „Cäcilia“

Die Geschichte des Chorsingens an St. Johannes beginnt keineswegs 1877, ist aber seit diesem Jahr besonders gut dokumentiert. In diesem Jahr beschlossen einige sangesfreudige Herren in Metternich die Gründung eines Singvereins, der „zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gläubigen“ in der Kirche singen solle. Der Chor, der zu Anfang ein reiner Männerchor war, erfreute sich schon bald großer Beliebtheit bei den Zuhörern. Gepflegt wurde schon damals die Geselligkeit, man veranstaltete Familienabende und unternahm gemeinsame Ausflüge. Die formale Gründung des Männergesangvereins erfolgte 1892. Dirigent und Hauptlehrer Kirchrath leitete den Chor bis 1916 „mit großer Umsicht und vielem Geschick“. Sein Nachfolger wurde Konrektor Gross, der den Chor mit kurzem Interregium bis 1934 führte.

Diese Aufnahme aus dem Jahre 1903 ist der bislang älteste fotographische Beleg für die Existenz eines reinen Männerchores als Kirchenchor „Cäcilia“. Warum die Herren so grimmig drein schauen, ist nicht bekannt.

Das Protokollbuch berichtet, dass sich 1928 dreißig Damen dem Chore angeschlossen haben. Wenn auch der Chor bereits in der Zeit des ersten Weltkrieges mit weiblicher Verstärkung gesungen hatte, so wurde nun jedoch endgültig ein gemischter Chor gebildet. Wie die Chronik zu berichten weiß, sahen sich Musikkenner dieser Tage auf Grund der guten musikalischen Leistungen zu der öffentlichen Behauptung veranlaßt, dass der Chor „getrost den Kirchenchören der Stadt Koblenz an die Seite zu stellen sei“.

Die Aufnahme zeigt den Chor um 1930.

Küster und Organist Hellmann übernahm 1934 den Chor, 1938 folgte als Leiter Klaus Elz. Während des Zweiten Weltkrieges hielt Hilde Schneider, Tochter von Rektor Bappert den Chor aufrecht, obwohl ihr nur Mädchen und Kinder zur Verfügung standen, da die meisten Männer zum Kriegsdienst einberufen worden waren. Nach dem Tod von Frau Schneider übernahm nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wieder Klaus Elz im August 1945 den Mädchenchor, den er in der Folge wieder zu einem stattlichen gemischten Chor ausbauen konnte und den Chor bis 1980 leitete.

Elz war es auch, der in den Nachkriegsjahren eine Theatergruppe ins Leben rief, deren Aufführungen in musikalischer, bühnenbildnerischer und schauspielerischer Hinsicht stets einen Höhepunkt in der Dorfgemeinschaft bildeten. Bereits aus den Jahren 1925, 1926 und 1927 ist überliefert, dass der Chor regelmäßig auch Theaterstücke aufführte, vornehmlich im Winter. Weihnachten 1946 wurde dem Chor die Ehre zuteil, „zur Verschönerung einer katholischen Feierstunde“ drei alte Weihnachtslieder während einer Radiosendung von „Studio Koblenz“ zu singen. Der Chor nahm in diesen Jahren oft und gerne teil an gemeinsamen Auftritten nicht nur mit Kirchenchören unmittelbar benachbarter Pfarreien, sondern mit nahezu allen Kirchenchören der Stadt Koblenz, einschließlich des Kirchenchores an der Liebfrauenkirche.

Nachfolger von Klaus Elz als Chorleiter wurde 1980 Egon Meurer. In seine Zeit fiel das das Festkonzert anläßlich des 110jährigen Bestehens des Kirchenchores und die Romfahrt des Chores aus Anlaß der Priesterweihe eines Metternichers. Besonders hervorzuheben ist die Einrichtung einer Patenschaft des Kirchenchores mit dem Kinderheim Santa Rosa in Bolivien, die noch heute Bestand hat. Meurer leitete den Chor bis 1989.

1989 übernahm Gymnasiallehrer Ulrich Will die Chorleitung. In die Zeit seiner Verantwortlichkeit für den Kirchenchor fallen u.a. Benefizveranstaltungen zu Gunsten der Kinder in Bolivien sowie der Orgelrenovierung und das 120jährige Jubiläum des Chores.

Ulrich Will leitete den Chor bis 2001. Ihm folgte Michael Fischer als Chorleiter. Der rührige Metternicher leitet noch weitere Chöre in der Umgebung, unterrichtet Akkordeon, Klavier, Keyboard und gibt Gesangsunterricht, arbeitet darüberhinaus als freiberuflicher Kirchenorganist und als klassischer Sänger. Fischer intensivierte wieder die Zusammenarbeit mit anderen Ensembles, die er zum Teil auch selbst leitete. Auch gründete er wieder einen Kinderchor, der Konzerte mit dem Erwachsenenchor mehrfach erfolgreich mitgestaltete. Hinsichtlich des Repertoires öffnete er die Literatur des Chores auch für moderne Musik, pflegte neben klassischer A-cappella-Literatur auch Gospels und Pop. Ein herausragendes Ereignis war die Konzertreise nach England 2008 in die Partnerstadt Norwich zusammen mit dem Chor aus Winningen.

Die Aufnahme zeigt den „Reise-Chor“, bestehend aus Mitgliedern der Chöre aus Metternich und Winningen.

Konzert in Norwich 2008

Fischers öffnende und modernisierende Chorarbeit zeigt sich auch daran, dass der Chor bis heute bereit ist, in verschiedenen Sprachen zu singen, nicht nur lateinisch und deutsch, sondern auch englisch, französisch und afrikanisch. In 2002, dem Jahr des 125jährigen Bestehens des Chores wurde dem Chor in Würdigung seiner Verdienste um das Singen die Palestrina-Medaille verliehen. Michael Fischer leitete den Chor bis 2009. Nach einem kurzen Interim mit Gymnasiallehrer Werner Höss übernahm 2010 Dr. Jürgen Böhme den Chor.

Böhme, der über den Kreis-Chorverband Koblenz auf Metternich aufmerksam gemacht worden war, wurde vom damaligen Dechanten Thomas Hüsch gefragt, ob er sich vorstellen könne, die Johanneskirche mit Leben zu füllen. Der langjährige hauptamtliche A-Kirchenmusiker und zuletzt Akademischer Musikdirektor der Universität Koblenz sagte zu und fühlt sich seither Chor und Kirchenraum verbunden.

Chor im Jahre 2012.

Musikalisch richtete sich die chorische Arbeit zunächst auf die regelmäßige Ausgestaltung der Sonn- und Feiertagsmessen in der Johanneskirche. Die dadurch wiedergewonnene Routine im Gestalten von regelmäßigen Auftritten hat dem Chor trotz nun zunehmender Überalterung eine gewisse Sicherheit zurückgegeben, die sich auch in den Jahreskonzerten positiv niedergeschlagen hat. Sonntägliches Singen in der Messe nach größeren Konzerten geht ohne Intonationsverluste ab und Konzertvorbereitungen mit detaillierter Arbeit an Sprache und Klang spiegeln sich wohltuend in den Sonntagsdiensten wider. Böhme orientierte sich auch mit Blick auf Tradition und Leistungsfähigkeit des Chores zunächst auf traditionelles Repertoire, führte in den ersten Jahren neben Bach und Händel Haydn- und Mozartmessen auf, erweiterte dann das Repertoire mit Felix Mendelssohn, Charles Gounod, Camille Saint-Saens und César Franck um Chorliteratur des 19. Jahrhunderts. Böhme brachte sich auch als engagierter Cembalist in die Konzerte ein. Im Weihnachtskonzert 2019 platzierte er neben Händels „Messias“ (1. Teil) Johann Sebastian Bachs 5. Brandenburgisches Konzert, dessen konzertanten Solopart er auch selbst spielte.

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